Mit der Erlaubnis zum Wachsen

„Lasse das Verhalten anderer nicht Deinen inneren Frieden stören.“

Dieses Zitat des Dalai Lama kam mir unlängst über die Lippen, als mir ein Klient von seinen jüngsten Erfahrungen mit seinem Umfeld berichtete. Er ist seit ein paar Monaten selbstständig, die ersten Erfolge stellen sich ein und seine Mitmenschen beobachten, wie er seitdem mehr und mehr aufblüht.

Gründe, um stolz auf ihren Freund und Kollegen zu sein. Vielleicht auch, um Anerkennung zu zeigen. Oder?

Oder auch nicht. Er sei jetzt etwas Besseres, hat mein Klient hinter vorgehaltener Hand gehört. Und er hätte ja schon immer hoch hinaus gewollt. Alles in einem Tonfall, der nicht freundlich klingt, eher so nach Unterton. Und das trifft meinen Klienten.

Was hier im Spiel ist, hört sich zweifellos nach Neid an und Missgunst.

Man kann versuchen, es abzuhaken, indem man zum Beispiel nach Argumenten sucht, warum der Neider so ist, wie er ist. Man kann auch die Religion zur Hilfe nehmen. Stichwort: Todsünde. Oder: Das neunte Gebot. Vielleicht kann man sich auch sagen, dass derjenige eigentlich nur seine eigene Geschichte erzählt vom Mangel, den er in sich empfindet.

Nur: Das, was einen triggert, wird man auf diese Weise nicht loswerden. Denn man ist bei einem anderen – nicht bei sich selbst. Und man darf in sich hinein spüren, was da noch überwunden werden darf.

Wenn man sich vom Neid anderer Menschen getroffen fühlt, hat das oft mit verdrängten Schuld- oder Schamgefühlen zu tun. Eine innere Stimme, die sagt: „Ich habe diesen Erfolg nicht verdient.“ Oder: „Ich bin es nicht wert.“ Gerade das Thema Loyalität – auch falsch verstandene – spielt eine große Rolle, wenn man irgendwann mehr erreicht als seine Angehörigen, bisherige Vorgesetzte oder langjährige Freunde. Nicht jeder Mensch kommt damit gut klar.

Die hiermit verbundenen Emotionen achtsam wahrzunehmen, zu akzeptieren und letztlich zu transformieren, ist fundamental, um seinen eigenen Weg weiterzugehen. Denn was wäre die Konsequenz, wenn man es nicht tut? Eigene Unzufriedenheit. Irgendwann vielleicht die Depression. Oder – wie mir eine Klientin unlängst eine einleuchtende Erklärung lieferte – Krebs: „Wenn der Mensch nicht wachsen darf, wächst etwas anderes.“

Sich selbst die Erlaubnis zu geben, erfolgreich zu sein, ist daher der Schlüssel, sich unabhängig zu machen von Stimmen des Neids und mit innerem Frieden seinen Weg zu beschreiten. Oder, um es mit Mahatma Gandhi zu sagen:

„Setze Deine Ziele groß genug und die Umstände werden sich nach Deinen Zielen richten.“

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